Das Wort Glück ist eins von den Wörtern, die ich immer geliebt undgern gehört habe. Mochte man über seine Bedeutung noch so viel streiten und räsonieren können, auf jedenfall bedeutet es etwas Schönes, etwas Gutes und Wünschenswertes. Und dementsprechend fand ich den Klang des Wortes.

 

Ich fand dieses Wort habe trotz seiner Kürze etwas erstaunlich Schweres und Volles, etwas, was an Gold erinnert, und richtig war ihm ausser der Fülle und Vollwichtigkeit auch der Glanz eigen, wie der Blitz in der Wolke wohnte er in der kurzen Silbe, die so schmelzend und lächelnd mit dem GL begann, im Ü so lachend ruhte und so kurz, und im CK

 

so entschlossenund knapp endete. Es war ein Wort zum lachen und zum Weinen, ein Wort voll Urzauber und Sinnlichkeit; wenn man es recht empfinden wollte, bräuchte man nur einspätes, flaches, müdes Nickel-

 

oder Kupferwort neben das goldene zu stellen, etwa Gegebenheit oder Nutzbarmachung, dann war alles klar. Kein Zweifel, es kam nicht aus Wörtebüchern und Schulstuben, es war nicht erdacht, abgeleitet oder zusammengesetzt, es war eins und rund, war vollkommen und kam aus dem Himmel oder aus der Erde wie Sonnenlicht oder Blumenblick. Wie gut, wie glücklich, wie tröstend, dass es solche Wörter gab ! Ohne sie zu leben und zu denken, wäre Welke und Verödung. Wäre wie Leben ohne Brot und Wein, ohne Lachen oder Musik.

 

 

 

Hermann Hesse